(3) Porsche 911S – 300 km/h?

von Gerd Kebschull am 21. Juni 2012

Der Porsche 991 S ist mit 301 km/h angegeben. Viele Sportwagen, auch mit mehr als 400 PS schaffen aber die magische Grenze von 300 km/h nicht. Schafft es unser Porsche 911 Carrera S?

Abenteuer > 300 km/h

Unser Rekord steht auf 306 km/h. Das erste Mal jenseits 300 km/h, ein Abenteuer! Wir haben ausführlich darüber berichtet, wie wir mit dem Audi R8 (420 PS) diese Marke geknackt haben.

Porsche 911 (Typ 991) S

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S sportlich schnell auf der Trackstrecke ADAC FSZ in Augsburg. Der Drift ist was für Könner

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S - in 4,1 Sekunden in 0 auf 100 km/h

Nun steht diese äußerst spannende Testphase an. Ich bin dann immer etwas nervös, weil – egal wie vorsichtig man ist, es auch immer etwas gefährlich ist. Als erstes Sichtprüfung der Reifen. Dann Luftdruck prüfen. Die Daten liefert uns der Porsche im Display. Dann am Sonntagmorgen, es ist kurz nach acht Uhr, geht es los. Dann ist die Autobahn A31 Richtung Norden ziemlich frei.

Die Öltemperatur wird geprüft. Wie viel Grad hat das Öl nach etwa 3 Kilometern? Wissen Sie es? Nein, es sind nicht 40 Grad, sozusagen “ready to take off”, sondern gerade mal 23 Grad. Erst nach etwa 6-7 Kilometern bis zur Autobahn haben wir die echte Betriebstemperatur von mehr als 40 Grad erreicht.

307 km/h ist der Wahnsinn

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S: Volle Punktzahl auf der Trackstrecke ADAC FSZ in Augsburg

Also dann mal mit SportPlus los und sanftes Gasgeben. Der Porsche schießt los und 200 km/h liegen bereits nach gefühlten wenigen Sekunden an. Im Internet kann man nachlesen, dass es etwa 13,2 Sekunden sind. Der Porsche Turbo S 997 soll nur 0,1 Sekunden schneller sein und der “alte” Porsche 993 GT2 verliert gegen den aktuellen S 0,2 Sekunden.
Der Porsche sprintet weiter, als gebe es keine Windkräfte, die an dem Auto zerren. Von 280 km/h geht es gefühlt zügig bis 300 km/h. Dann geht es zäh weiter: 301, 302, dann 305 km/h. Hier ist Schluss – oder?

Nächster Anlauf, die 306 km/h-Grenze muss fallen. Wieder geht es zügig bis 300 km/h, weiter 305, 304, 303, 305, 306, 307 km/h – geschafft. Erleichterung. Es reicht, der Porsche hat bestanden und ich bin groggy. Wer solche Geschwindigkeiten fährt ohne diesen Adrenalin-Stoß zu bekommen, sollte diese Geschwindigkeiten nicht fahren.

Übrigens, diese Geschwindigkeiten fahre ich immer allein. Sobald ein weiteres Fahrzeug auf der Autobahn fährt, breche ich ab. Auch bei einem Parkplatz, sogar wenn die Autobahn bis zur Nordsee völlig leer ist. Es gibt Autofahrer die vom Parkplatz kommen und sofort auf die linke Spur fahren, obwohl rechts kein Fahrzeug fährt und obwohl von hinten ein Sportwagen mit 300 km/h angeflogen kommt.

Beschleunigung 1,01 g

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S

Porsche Carrera 911 (Typ 991) S: ESP ausschalten? Nur was für Könner

Die Beschleunigungs- höchstwerte für die Querbeschleunigung (rechts / links) hat Felix Sutschek mit 1,26 bzw. 1,28 schon einmal eingetragen. Für die Verzögerung stehen 1,25g und für die Beschleunigung werden 0,86g angezeigt. Ist Beschleunigung noch zu toppen?

Die Landstraße ist stangelgerade, wie mit einem Lineal gezogen. Es geht durch das Moor im Emsland. Um etwa 9 Uhr morgens kein Auto auf der Straße nur der Porsche-Tester.

Stopp und dann mit Vollgas und SportPlus. 0,88 g zeigt das Porsche-G-Messgerät an. Beeindruckend. Jetzt mit Launch Control. Eigentlich mag ich es nicht. Man hat das Gefühl, nicht mehr Herr des Fahrzeuges zu sein. Gefährlich ist es nicht, weil die Straße schön gerade ist, kein Auto bis zum Horizont und der Porsche 911 S wie ein Brett liegt. Dennoch, der Motor zerrt an dem Auto und katapultiert den Porsche aus dem Stand heraus auf 100 km/h in 4,1 Sekunden. Egal, wir wollen es testen.

SportPlus – Nur fliegen ist schöner

Also SportPlus drücken, linker Fuß auf die Bremse mit dem rechten Gas geben. Im Lenkrad wird angezeigt. Launch Control. Fuß von der Bremse und der Porsche schießt los, als gebe es kein Gewicht, das zu Beschleunigen gäbe, keine Reibung, keine Windkräfte. Bremsen. Durch atmen. Das Anzeigeinstrument zeigt an 1,01 g.

Gemütlich geht es wieder heim. Natürlich wurde in jedem Kreisel noch eine kleine Extrarunde gedreht. Das müssen wir dem Porsche und auch dem Fahrer gönnen.

Zwischenfazit

Der Porsche 911 S ist ein geniales Sportgerät. Er kann sparsam, er kann schnell und ist flink in den Kurven. Auf dem Nürburgring hat er dem “alten” 997 14 Sekunden abgenommen. Wem 400 PS nicht genug sind, kann seit neuesten 30-Zusatz-PS ordern. Braucht man die? Eigentlich nicht, aber Leistung ist für einen Sportwagen wichtig – und kann daher auch nie schaden. Auch wenn man die 30 PS nur einmal im Jahr morgens, an einem Sonntag auf der Autobahn braucht um vielleicht die 310-km-Marke zu knacken.

Linktipps:

Fotos © 2012 Redaktionsbüro Kebschull

{ 3 Trackbacks }

(2) Porsche 911 (Typ 991) S
21. Juni 2012 um 17:47
(4) Porsche Carrera 911 S – Fazit
26. Juni 2012 um 14:03
(3) Lamborghini Gallardo – Fahrbericht
17. April 2013 um 08:57

{ 4 Kommentare… lesen Sie unten oder schreiben Sie selbst einen }

AndiKunzi 23. Juni 2012 um 09:49

1. Der 997 Turbo S ist etwa 3 s schneller auf 200. Testwerte aller Zeitschriften zwischen 10,0 s (autobild) über 10,1 (autozeitung) bis 10,6 s (sportauto). auto motor und sport und sportauto allerdings mit 2 Personen an Bord. siehe auch Messwerte von SA im Supertest.

2. Tachoabweichung etwa 3 % (je nach Reifenzustand) beim 997. Beim 991 wahrscheinlich vergleichbar.

AndiKunzi 23. Juni 2012 um 09:53

Supertest 991 S 0-200 km/h: 14,1 s, also 3,5 s

Besorgter Porsche-Fan 10. Juni 2013 um 10:48

40 Grad Öltemperatur bedeutet “ready for take off”? Meiner Erfahrung nach ist die Betriebstemperatur erst bei ca. 90 Grad erreicht! Und gerade für denn Fall, dass man dem Motor Höchstleistungen abverlangt, ist ein geduldiges und ausreichendes Warmfahren nun wirklich nicht zu viel verlangt. Dabei macht es Porsche seinen Fahrern doch so einfach (im Vergleich zu anderen Herstellern), da man sowohl die – viel wichtigere – Öltemperatur inkl. -druck als auch die Wassertemperatur angezeigt bekommt. Ich hoffe, es liegt ein Fehler vor und der Porsche wurde nicht kalt getreten…

Gerd Kebschull 16. Juni 2013 um 11:46

@Besorgter Porsche-Fan:
Bitte genau lesen. 7 Kilometern einfahren, dann: mit SportPlus los und sanftes Gasgeben. Die Öltemperatur steigt dann sehr schnell an. Geschwindigkeiten > 200 km/h sicherlich schon bei > 80 Grad. Werde ich beim nächste Porsche mal messen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel: